Wissen · Rezyklat
Recycelte Stretchfolie: was heute wirklich geht – und was nicht
Rezyklat in der Palettenfolie ist längst kein Versuchsstadium mehr. Trotzdem lohnt der zweite Blick: Zwischen einem seriösen PCR-Anteil und einer Folie, die nur auf dem Lieferschein grün ist, liegt technisch und rechtlich ein grosser Unterschied.

Wer Paletten wickelt, verbraucht Jahr für Jahr eine erstaunliche Menge Polyethylen – ohne dass diese Folie jemals beim Endkunden ankommt. Genau deshalb ist Transportverpackung der naheliegendste Ort, um Rezyklat einzusetzen: Es gibt keinen Lebensmittelkontakt, keine Markenoptik, keine Regalwirkung. Es zählt nur, ob die Ladung sicher ankommt.
Gleichzeitig ist Stretchfolie eine der anspruchsvollsten Anwendungen für recyceltes Material. Sie wird bis über das Dreifache ihrer Länge gedehnt und muss dabei rissfrei bleiben. Jede Verunreinigung im Rezyklat ist eine potenzielle Sollbruchstelle. Diese Seite erklärt, wo die realistischen Grenzen liegen, welche Bezeichnungen etwas bedeuten und wie Sie eine Umstellung ohne Prozessrisiko planen.
PCR oder PIR – die Bezeichnung entscheidet
Viele Angebote werben mit hohen Recyclinganteilen und nennen als Material «Regenerat». Das ist keine geschützte Angabe. Dahinter steckt in der Regel Post-Industrial-Rezyklat (PIR): sortenreine Produktionsabfälle aus der eigenen Folienherstellung, sortiert, sauber, gut verarbeitbar. PIR ist sinnvoll und richtig – es ersetzt aber kein Material, das bereits im Umlauf war.
Post-Consumer-Rezyklat (PCR) stammt aus gebrauchten Verpackungen, etwa aus der gewerblichen Folienrücknahme. Nur dieses Material zählt bei den Rezyklatquoten der EU-Verpackungsverordnung PPWR, und nur dieses Material wird in Nachhaltigkeitsberichten als Kreislauf anerkannt. Wenn ein Angebot «80 % recycelt» nennt, fragen Sie deshalb immer nach der Aufteilung PCR/PIR und nach einem Nachweis, etwa einer RecyClass-Zertifizierung.
| Kriterium | PIR (Regenerat) | PCR (Post-Consumer) |
|---|---|---|
| Herkunft | Produktionsabfall beim Folienhersteller | gebrauchte, gesammelte Verpackungen |
| Qualität | sortenrein, sehr gleichmässig | schwankend, aufwendige Aufbereitung |
| Möglicher Anteil | hohe Anteile technisch machbar | in Qualitätsfolien heute rund 30–35 % |
| Zählt für PPWR-Quote | nein | ja |
| Mehrpreis | gering bis keiner | wenige Rappen pro Kilogramm |
Vier ehrliche Grenzen
Eine Stretchfolie aus 100 % Post-Consumer-Material gibt es in Qualitätsniveau für Palettenwicklung derzeit nicht. Das hat vier nachvollziehbare Gründe:
Gleichmässigkeit
Rezyklat schwankt je nach Sammelstrom in Dichte, Schmelzindex und Restfeuchte. Für Reissfestigkeit und Weiterreissverhalten braucht die Folie aber konstante Werte – Charge für Charge. Höhere PCR-Anteile bedeuten deshalb engere Eingangskontrolle und mehr Ausschuss beim Hersteller.
Transparenz
Je mehr Post-Consumer-Material in der Folie ist, desto milchiger wird sie. Ab etwa einem Drittel PCR wird das sichtbar. Wo Etiketten, Barcodes oder Gefahrgutkennzeichen durch die Folie gelesen oder gescannt werden müssen, ist das ein echtes Ausschlusskriterium – geplante Lesefenster oder Scanner-Ausschnitte lösen das nur teilweise.
Dehnbarkeit bei hoher Vordehnung
Anlagen, die konsequent auf maximale Vordehnung von 250 % und mehr gefahren werden, arbeiten am Rand des Materialfensters. Genau dort verzeiht Rezyklat weniger. Wer sehr hohe Vordehnung fährt, sollte die Umstellung mit einer Testpalette begleiten und die Vordehnung gegebenenfalls leicht zurücknehmen – der Materialgewinn bleibt trotzdem meist positiv.
Lebensmittel- und Direktkontakt
Für den direkten Kontakt mit Lebensmitteln gelten in der Schweiz eigene Anforderungen an recyceltes Material. Für Transportverpackung um Umkartons oder Gebinde ist das kein Thema; für Folie, die unverpackte Ware berührt, klären Sie den Einsatz vorher ab.
Wann sich Rezyklatfolie sofort lohnt
Gut geeignet
- Standard-Palettenwicklung von Kartonagen, Gebinden, Getränken, Baustoffen
- Betriebe mit Nachhaltigkeitsziel oder Rezyklatvorgabe im Einkauf
- Lieferketten in die EU, die ab 2030 die PPWR-Quote von 35 % erfüllen müssen
- Ausschreibungen und Lieferantenfragebögen mit Nachweispflicht
- Handwickeln – hier ist die Vordehnung ohnehin moderat
Vorher prüfen
- Vollautomatische Scannerkontrolle durch die Folie hindurch
- Anlagen, die dauerhaft am oberen Vordehnungslimit laufen
- Direkter Lebensmittelkontakt ohne Zwischenverpackung
- Sehr dünne Folien am unteren Ende des Dickenfensters
- Optisch werbewirksame Umverpackung mit Hochglanzanspruch
Die LDPE-04-Kennzeichnung kommt
Neu ist nicht nur der Rezyklatanteil, sondern auch, dass man das Material künftig ansehen können muss. Die PPWR verlangt ab 12. August 2028 eine harmonisierte Kennzeichnung der Materialzusammensetzung auf der Verpackung. Für Palettenfolie heisst das in der Praxis: Recyclingdreieck mit dem Kunststoffcode 04 und dem Kürzel LDPE, direkt auf die Folie gedruckt.
Für Sie ist das kein Grund zur Eile, aber ein Grund zur Planung: Wer heute eine bedruckte Folie beschafft, kann die Materialangabe gleich mit aufnehmen und spart später einen Wechsel der Druckzylinder.
LDPE 04 erklärt: was das Zeichen bedeutet und ab wann es gedruckt werden muss
Kurz gerechnet
Der Mehrpreis für PCR-Folie liegt üblicherweise bei wenigen Rappen pro Kilogramm. Beispielrechnung: Wickelt ein Betrieb 200 g Folie pro Palette und 300 Paletten pro Woche, sind das 60 kg Folie pro Woche. Bei 20 Rappen Mehrpreis pro Kilogramm ergibt das 12 CHF pro Woche – bezogen auf die Palette rund 4 Rappen.
Dem gegenüber steht oft ein grösseres Sparpotenzial an anderer Stelle: eine korrekt eingestellte Vordehnung spart pro Palette deutlich mehr Material, als der Rezyklatanteil kostet. Deshalb lohnt es, beides gemeinsam anzuschauen.
Was wir liefern
Unsere Rezyklatfolien enthalten 35 % Post-Consumer-Material aus eigener Produktion und sind RecyClass-zertifiziert – damit erfüllen sie die PPWR-Quote für 2030 bereits heute. Es gibt sie als Handrolle und als Maschinenrolle, mit denselben Dicken und Lauflängen wie die Neuwarefolie.
Die Umstellung braucht in der Regel keine Anlagenänderung. Wir empfehlen trotzdem: eine Rolle bestellen, zwei Paletten wickeln, Haltekraft und Erscheinungsbild prüfen, dann umstellen.
Häufige Fragen
Wie viel Rezyklat kann Stretchfolie heute enthalten?
In Folien, die für Palettenwicklung ausreichend reissfest sind, liegen seriöse Post-Consumer-Anteile derzeit bei etwa 30 bis 35 %. Höhere Angaben beziehen sich meist auf Post-Industrial-Rezyklat (Regenerat), nicht auf PCR.
Ist recycelte Stretchfolie schwächer?
Bei 35 % PCR und normaler Vordehnung ist der Unterschied in der Haltekraft in der Praxis nicht relevant. Kritisch wird es erst, wenn die Anlage dauerhaft am oberen Vordehnungslimit gefahren wird.
Warum ist Rezyklatfolie milchig?
Post-Consumer-Material enthält Reste von Farben, Etiketten und anderen Polymeren. Diese trüben die Folie. Wo durch die Folie gescannt wird, sollte das vorher getestet werden.
Was ist der Unterschied zwischen PCR und Regenerat?
Regenerat ist meist Post-Industrial-Rezyklat aus Produktionsabfall. PCR stammt aus gebrauchten Verpackungen. Nur PCR zählt für die Rezyklatquoten der PPWR.
Kostet recycelte Stretchfolie mehr?
Der Aufschlag beträgt in der Regel wenige Rappen pro Kilogramm. Bei Palettenabnahme liegt PCR-Folie häufig auf dem Niveau von Neuware.
Brauche ich für die Umstellung neue Einstellungen an der Wickelmaschine?
Meist nicht. Wir empfehlen eine Testrolle und eine Kontrolle von Haltekraft und Folienbruchverhalten, bevor Sie ganz umstellen.
Testrolle Rezyklatfolie anfragen
Wir schauen uns Ihr aktuelles Wickelbild an, empfehlen die passende Dicke und liefern eine Testrolle mit 35 % PCR – schweizweit, verzollt, Preise in CHF.
Stand: September 2026. Angaben zu PPWR-Fristen orientieren sich am Verordnungstext EU 2025/40 und den bisher veröffentlichten Leitfäden; da weitere Rechtsakte folgen, sind Anpassungen möglich. Keine Rechtsberatung.
