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Wissen · Bedruckung

Wasserbasierter Druck oder Ethanol-Druck auf Stretchfolie?

Bedruckte Stretchfolie entsteht im Flexodruck – und dort stehen zwei Farbsysteme zur Wahl. Der Unterschied zwischen wasserbasierten und lösemittelbasierten Farben entscheidet über Trocknung, Geruch, Arbeitsschutz und darüber, wie gut die Folie später recycelt werden kann.

1. Wie Flexodruck auf Stretchfolie funktioniert

Im Flexodruck überträgt eine gerasterte Rasterwalze eine definierte Farbmenge auf ein flexibles Druckklischee, das das Motiv auf die laufende Folienbahn abrollt. Jede Farbe hat ein eigenes Klischee und ein eigenes Druckwerk. Weil PE eine niedrige Oberflächenenergie hat, wird die Bahn vorher per Coronabehandlung aktiviert – ohne diesen Schritt haftet keine Farbe dauerhaft, unabhängig vom Farbsystem.

Nach dem Druckwerk läuft die Bahn durch einen Trockner. Dort liegt der eigentliche Unterschied: das Lösungsmittel muss vollständig aus der Farbschicht entweichen, bevor die Folie aufgewickelt wird. Bleibt Restlösemittel im Wickel, entstehen Geruch und Blockneigung.

2. Wasserbasierte Farben

Hier ist Wasser das Hauptlösungsmittel, ergänzt durch einen kleinen Anteil Co-Solvent und Ammoniak zur pH-Stabilisierung. Der Druck läuft ohne brennbare Atmosphäre, es braucht keine Ex-Schutzzone und keine thermische Abluftreinigung.

  • Sehr geringe VOC-Emissionen – kein Nachverbrennen der Abluft nötig.
  • Praktisch geruchsneutrale Ware, gut für Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetiklogistik.
  • Reinigung der Druckwerke mit Wasser statt Lösemittel, weniger Sondermüll.
  • Deinkbare Systeme verfügbar – das begünstigt den Rezyklatkreislauf.
  • Grenze: Wasser verdampft langsamer, das kostet Trocknerleistung und limitiert die Bahngeschwindigkeit.
  • Grenze: feine Raster und sehr hohe Deckkraft sind anspruchsvoller als mit Lösemittelfarbe.

3. Lösemittelbasierte Farben (Ethanol)

Ethanol beziehungsweise Ethylacetat verdampft deutlich schneller als Wasser. Das ergibt kurze Trockenstrecken, hohe Geschwindigkeiten und eine sehr gleichmässige, brillante Farbschicht – auch bei feineren Motiven und auf schwierigen Oberflächen.

  • Schnelle Trocknung, hohe Produktionsleistung, kurze Rüstzeiten bei Farbwechseln.
  • Sehr gute Haftung und Abriebfestigkeit, robust gegenüber Schwankungen der Vorbehandlung.
  • Feinere Details und höhere Deckkraft als mit wasserbasierten Systemen erreichbar.
  • Grenze: brennbares Lösemittel – Ex-Schutz, Absaugung und Anlagensicherheit sind Pflicht.
  • Grenze: VOC-Abluft muss zurückgewonnen oder thermisch nachbehandelt werden.
  • Grenze: Restlösemittel muss messtechnisch abgesichert sein, sonst droht Geruch in der Ware.

4. Der Vergleich auf einen Blick

KriteriumWasserbasiertEthanol / Lösemittel
Lösungsmittelüberwiegend WasserEthanol / Ethylacetat
Trocknunglangsamer, mehr Trocknerleistung nötigsehr schnell, hohe Bahngeschwindigkeit möglich
Detailschärfegut für flächige Volltonmotivefeinere Details und Raster möglich
Haftung auf PEgut bei korrekter Coronavorbehandlungsehr gut, toleranter gegenüber Schwankungen
VOC-Emissionensehr geringhoch, Abluftreinigung oder Rückgewinnung nötig
Arbeitsschutzkeine Ex-Schutzzone erforderlichbrennbar, Ex-Schutz und Absaugung nötig
Geruch der Warepraktisch neutralneutral nur bei vollständiger Trocknung
Recyclingfähigkeitgünstig, gut deinkbare Systeme verfügbarabhängig vom Bindemittel, Nachweis nötig
Kostengeringere Betriebskosten, kein Abluftsystemhöhere Investitions- und Betriebskosten

5. Recyclingfähigkeit und PPWR

Für den PE-Kreislauf zählt nicht nur, welche Farbe verwendet wurde, sondern wie viel davon auf der Folie liegt. Grossflächige, stark deckende Motive verfärben das Rezyklat und senken dessen Wert. Bewertungsschemata wie RecyClass arbeiten daher mit Grenzwerten für den bedruckten Flächenanteil und bevorzugen Farben, die sich im Waschprozess ablösen lassen.

  • Deckungsgrad bewusst begrenzen: ein wiederkehrendes Logo statt Vollflächendruck.
  • Deinkbare oder waschbare Farbsysteme wählen, wenn die Folie in den PE-Kreislauf zurückgeht.
  • Keine Farben mit kritischen Pigmenten oder Bindemitteln, die das Rezyklat verunreinigen.
  • Kennzeichnungspflichten der PPWR mitdenken – Material- und Entsorgungshinweise gehören ins Layout.

Mehr dazu: PPWR ab 2028 und was sich für Palettenverpackung ändert.

6. Entscheidungshilfe

  • Ein- bis zweifarbiges Logo oder Warnhinweis, Standardmengen, PE-Recycling im Fokus: wasserbasiert.
  • Geruchssensible Ware – Lebensmittel, Pharma, Kosmetik: wasserbasiert oder Lösemittelfarbe mit Restlösemittelnachweis.
  • Sehr hohe Auflagen, feine Motive, maximale Abriebfestigkeit: Ethanol-basiert.
  • Unsicher? Legen Sie Motiv, Untergrund und Anwendung vor – wir bewerten beides gegen Ihre Anforderung.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen wasserbasierten und Ethanol-Druckfarben?
Beide Farbsysteme bestehen aus Pigment, Bindemittel und einem Lösungsmittel. Bei wasserbasierten Farben ist dieses Lösungsmittel überwiegend Wasser, bei lösemittelbasierten Farben überwiegend Ethanol beziehungsweise Ethylacetat. Ethanol verdampft deutlich schneller als Wasser, deshalb trocknen Lösemittelfarben schneller und erlauben höhere Maschinengeschwindigkeiten.
Welche Farbe ist umweltfreundlicher?
Wasserbasierte Farben setzen im Druck kaum flüchtige organische Verbindungen frei und brauchen keine Abluftreinigung. Lösemittelfarben erfordern eine Rückgewinnung oder thermische Nachverbrennung des Ethanols. In modernen Anlagen mit Rückgewinnung ist die Bilanz besser als ihr Ruf, doch der emissionsarme Weg ist der wasserbasierte.
Beeinflusst die Druckfarbe die Recyclingfähigkeit der Folie?
Ja. Entscheidend sind Deckungsgrad und Ablösbarkeit der Farbe. Grossflächige, stark deckende Motive und Farbsysteme, die sich im Waschprozess nicht lösen, verfärben das Rezyklat. Wenig deckende Motive und waschbare, deinkbare Farben halten den PE-Kreislauf sauber – für RecyClass-Bewertungen und die PPWR ab 2028 ein wichtiges Kriterium.
Riecht bedruckte Folie?
Bei sauber getrockneter Ware nicht. Restgeruch entsteht durch eingeschlossenes Restlösemittel, wenn zu schnell oder zu kalt getrocknet wurde. Für Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetiknähe ist deshalb wasserbasiert oder eine Lösemittelfarbe mit geprüfter Restlösemittelbestimmung die richtige Wahl.
Welches System soll ich für mein Motiv wählen?
Für ein- bis zweifarbige Logos, Warnhinweise und Kennzeichnungen auf PE-Stretchfolie ist wasserbasiert in der Regel die passende und günstigere Lösung. Für sehr hohe Geschwindigkeiten, feinere Details oder besonders abriebfeste Anforderungen spielen Ethanol-Farben ihre Stärken aus.

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