Wissen · Blog
Nachhaltige Palettenverpackung: Materialeffizienz und ESG-Nachweise
Die Anforderungen an eine nachhaltige Palettenverpackung steigen im Schweizer B2B-Umfeld stetig. Zwischen gesetzlichen Berichterstattungspflichten, steigenden Rohstoffkosten und betrieblicher Transportsicherheit stehen Logistikverantwortliche vor der Aufgabe, den Folienverbrauch messbar zu senken und kreislauffähige Materialien ohne Prozessrisiken zu integrieren.
Hebel 1: Materialreduktion durch systematisches Downgauging
Der wirksamste Schritt zu einer ressourcenschonenden Ladungssicherung ist die Reduktion des Materialeinsatzes pro Palette. In vielen Betrieben kommen standardmässig Hand- oder Maschinenstretchfolien mit Dicken von 20 my bis 23 my zum Einsatz. Durch den Wechsel auf mehrlagige Hochleistungs-Castfolien (Nano-Layer-Strukturen) lässt sich die Foliendicke bei gleicher oder höherer Rückhaltekraft auf 10 my bis 15 my reduzieren.
Entscheidend für den Erfolg ist nicht der Rollenpreis, sondern das tatsächliche Grammgewicht pro gewickelter Ladeeinheit. Eine Reduktion der Schichtdicke bei gleichzeitiger Optimierung der Dehnung verringert das Abfallaufkommen direkt an der Quelle und senkt die transportbedingten CO2-Emissionen über das gesamte Frachtvolumen.
Beispielrechnung zur Materialeinsparung bei Maschineneinsatz: - Ausgangslage: 10'000 Paletten pro Jahr, gewickelt mit konventioneller 23 my Folie. Verbrauch: 380 g Folie pro Palette. Gesamtverbrauch: 3'800 kg PE. - Optimierung: Umstellung auf 12 my Hochleistungs-Maschinenstretchfolie mit 250 % Vordehnung. Verbrauch: 160 g Folie pro Palette. Gesamtverbrauch: 1'600 kg PE. - Resultat: Absolute Einsparung von 2'200 kg Kunststoff pro Jahr (Reduktion um 57,9 %).
- Verringerung des Materialgewichts pro Palette um 40 % bis 60 % ohne Stabilitätsverlust
- Reduzierte Rollenwechselzeiten an den Wickelanlagen durch höhere Laufmeter pro Rolle
- Niedrigere Entsorgungsgebühren beim Warenempfänger durch verringertes Verpackungsvolumen
Hebel 2: Rezyklateinsatz – PCR und PIR im direkten Vergleich
Neben der reinen Materialreduktion spielt der Einsatz von recyceltem Polyethylen (rPE) eine zentrale Rolle. Hierbei wird technisch zwischen Post-Industrial-Rezyklat (PIR) und Post-Consumer-Rezyklat (PCR) unterschieden. Während PIR aus Industrieabfällen gewonnen wird und sehr homogene Materialeigenschaften aufweist, stammt PCR aus Endverbraucher-Sammelsystemen und erfordert präzisere Extrusionsverfahren zur Wahrung der Reissfestigkeit.
Moderne PCR-Stretchfolien erreichen heute Rezyklatanteile von 30 % bis über 50 %, ohne dass es beim Wickelprozess zu erhöhten Abrissraten kommt. Zu beachten sind materialbedingte Eigenheiten: Rezyklatfolien weisen oft eine leichte Trübung oder minimale Farbabweichungen auf. Für optische Barcode-Scanner auf Förderstrecken ist daher vorab zu prüfen, ob die Transparenz für die Leseoptik ausreicht.
Hinsichtlich der Ladungssicherung gemäss EUMOS 40509 müssen PCR-Folien identische Haltekräfte aufbringen wie Primärware. Dies wird durch gezielte Mehrschicht-Extrusion erreicht, bei der Rezyklatschichten zwischen dünnen Lagen aus Neumaterial eingebettet werden, um Dehnbarkeit und Durchstossfestigkeit zu garantieren.
- PIR-Folien: Hohe Prozessstabilität, geringe Schwankungsbreite, ideal für Einstiegsoptimierungen
- PCR-Folien: Maximaler Beitrag zur Kreislaufwirtschaft, direkte Anrechnung in Nachhaltigkeitsbilanzen
- Qualitätskriterium: Mehrschicht-Aufbau (Co-Extrusion) zur Vermeidung von Nadelöhr-Rissen bei Kantenbelastung
Nachweisführung für das betriebliche ESG-Reporting
Im Rahmen der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) sowie der Schweizer Berichterstattungspflichten über nichtfinanzielle Belange (Art. 964a ff. OR) müssen Unternehmen Scope-3-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette quantifizieren. Verpackungsmaterialien fallen unter die Kategorie der eingekauften Waren und Dienstleistungen.
Um den Folienverbrauch auditkonform auszuweisen, reichen pauschale Herstellerangaben nicht aus. Einkäufer und Logistikleiter benötigen verifizierte Primärdaten. Dazu gehören nachvollziehbare Product Carbon Footprints (PCF) gemäss ISO 14067 sowie akkreditierte Zertifikate über den Rezyklatgehalt (z. B. nach EN 15343 oder RecyClass).
Für ein lückenloses Reporting sollten folgende Kennzahlen pro Folientyp im ERP-System hinterlegt werden: Foliengewicht pro Verrechnungseinheit, prozentualer PCR-/PIR-Anteil, Recyclingfähigkeit nach Design-for-Recycling-Standards sowie der CO2-Äquivalentwert pro Kilogramm geliefertem Material.
- Zertifizierte Massenbilanz- und Rückverfolgbarkeitsnachweise (z. B. RecyClass, ISCC PLUS)
- Berechnung des Scope-3-Fussabdrucks auf Basis realer Gewichtsverbräuche statt theoretischer Rollenzahlen
- Dokumentierte Monomaterial-Strukturen (100 % PE) zur Gewährleistung der vollständigen stofflichen Recyclingfähigkeit
Praxis-Leitfaden: Umstellung der Wickelprozesse im Lager
Die Umstellung auf Dünnfilm- oder Rezyklatfolien erfordert eine systematische Feinjustierung der bestehenden Verpackungsanlagen. Wird lediglich die Folienrolle ausgetauscht, ohne Maschineneinstellungen anzupassen, drohen Folienabrisse oder instabile Palettenladungen.
Für die technische Validierung empfiehlt sich ein standardisierter Ablauf aus Vordehnungsmessung, Rückhalteprüfung und Neigungstests vor der Freigabe für den Serienbetrieb.
- Vordehnung prüfen: Übersetzung des Vordehnschlittens (z. B. 150 %, 200 %, 250 %) mit den Dehneigenschaften der neuen Folie abgleichen
- Anlegespannung justieren: Zugkraft an den Palettenecken reduzieren, um Einschnürungen bei weichen Kartonagen zu verhindern
- Wickelprogramm anpassen: Anzahl der Fuss- und Kopfwicklungen definieren und die Überlappung der Folienbahnen auf mindestens 20 % bis 30 % einstellen
- Stabilitätsprüfung durchführen: Horizontale Rückhaltekraft mit einem mobilen Messgerät oder via Fahrtest nach Beschleunigungswerten (z. B. 0.8 g) validieren
Gesamtwirtschaftliche Betrachtung und Bezug
Nachhaltige Palettenverpackung steht nicht im Widerspruch zur Wirtschaftlichkeit. Zwar liegt der Kilopreis moderner Hochleistungs- und Rezyklatfolien herstellungsbedingt teils geringfügig über Standardqualitäten, die Gesamtkostenrechnung pro gesicherter Palette fällt durch die drastische Gewichtsreduktion jedoch in der Regel vorteilhafter aus.
Beispielrechnung zu den Gesamtkosten: - Konventionelle Folie: 380 g pro Palette zu 2.40 CHF/kg = 0.912 CHF pro Palette. - Hochleistungs-Dünnfolie: 160 g pro Palette zu 3.10 CHF/kg = 0.496 CHF pro Palette. - Kostenersparnis: 0.416 CHF pro Palette. Bei 10'000 Paletten entspricht dies einer jährlichen Einsparung von 4'160 CHF bei gleichzeitiger Entlastung der Umweltbilanz.
Für Unternehmen in der Schweiz stellt BARG Packaging ein abgestimmtes Sortiment an materialoptimierten Stretchfolien und PCR-Rezyklatfolien bereit – mit transparenter Deklaration aller Kennwerte, Preisen in CHF sowie verzollter Lieferung frei Haus in die gesamte Schweiz.
Häufige Fragen
- Beeinträchtigt der Einsatz von PCR-Stretchfolie das automatische Barcode-Scanning?
- Qualitativ hochwertige PCR-Folien mit bis zu 30 % Rezyklatanteil weisen nur minimale Trübungen auf, die Standard-Industriescanner nicht stören. Bei höheren Rezyklatanteilen oder komplexen 2D-DataMatrix-Codes empfiehlt sich ein Lesetest an der Fördertechnik, um Fehlscans auszuschliessen.
- Kann jede Wickelmaschine auf dünnere Hochleistungsfolien umgestellt werden?
- Voraussetzung für dünne Hochleistungsfolien (unter 15 my) ist ein funktionsfähiger Vordehnschlitten (Power-Pre-Stretch-System). Bei Maschinen mit reiner mechanischer oder elektromagnetischer Bremse sind vorgedehnte Folien (Pre-Stretch-Folien) die wirtschaftlichste Lösung zur Materialreduktion.
- Welche Zertifikate sind für das ESG-Reporting bei Folien anerkannt?
- Anerkannt sind herstellerunabhängige Zertifizierungen wie RecyClass oder Bescheinigungen nach EN 15343, die den genauen Rezyklatanteil und dessen Herkunft (PCR/PIR) lückenlos auditieren. Ergänzend liefern verifizierte EPDs (Environmental Product Declarations) oder ISO-14067-Datenblätter die nötigen CO2-Werte.
- Verliert Rezyklatfolie bei längerer Lagerung oder Kälte an Haltekraft?
- Moderne Co-Extrusionsfolien mit Rezyklatkern besitzen Deckschichten aus reinem LLDPE, die Klebrigkeit und Kälteresistenz gewährleisten. Innerhalb üblicher Temperaturbereiche (-10 °C bis +35 °C) bleibt die Rückstellkraft über den Transportzeitraum stabil.
Folien direkt anfragen
Alle Preise in CHF inklusive Fracht, Zoll und Einfuhrabwicklung. Weitere Ratgeber im Wissensbereich.
