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Wissen · Blog

Stretchfolie Preis pro kg: Warum CHF/kg der einzig faire Massstab ist

Beim Einkauf von Stretchfolie führt der reine Rollenpreis regelmässig zu Fehlentscheidungen und versteckten Mehrkosten. Wer Angebote objektiv vergleichen will, muss das effektive Nettogewicht der Folie kennen und den Preis pro Kilogramm als zentralen Massstab heranziehen. Dieser Leitfaden zeigt die mathematischen Zusammenhänge und liefert praxistaugliche Formeln für die Beschaffung.

Die Täuschung durch Rollen- und Laufmeterpreise

In vielen Offerten für Hand- und Maschinenstretchfolie wird ausschliesslich ein Stückpreis pro Rolle oder ein Preis pro 1000 Laufmeter ausgewiesen. Auf den ersten Blick wirkt ein niedriger Rollenpreis attraktiv. In der Praxis verdeckt diese Angabe jedoch entscheidende Variablen wie das tatsächliche Foliengewicht, die exakte Stärke in Mikrometer (my) und das Eigengewicht des Pappkerns.

Stretchfolie besteht aus Polyethylen (meist LLDPE oder C4-/C6-/C8-Polymeren). Da Rohstoffe an den internationalen Märkten nach Gewicht gehandelt werden, entstehen die Produktionskosten primär durch die eingesetzte Masse an Kunststoff. Wird eine Rolle mit einem geringeren Foliengewicht gewickelt – sei es durch Minustoleranzen bei der Dicke oder durch eine kürzere Lauflänge –, sinkt der Materialwert drastisch. Ein augenscheinlich günstiger Rollenpreis entpuppt sich bei genauer Betrachtung oft als teurer Einkauf, weil schlichtweg weniger nutzbares Material geliefert wird.

  • Rollenpreise verschleiern das Verhältnis zwischen Folienmasse und Kerngewicht.
  • Dickenuntertoleranzen von nur 1 bis 2 my reduzieren die Materialmenge pro Rolle um 5 bis 10 %.
  • Pappkerne sichern keine Ladungen – bezahlt wird bei ungenauen Angeboten oft teure Pappe statt Kunststoff.

Der Hülsentrick: Bruttogewicht vs. Nettogewicht

Ein zentraler Hebel bei der Preisgestaltung von Stretchfolie ist das Gewicht der Papphülse (Kern). Bei Handstretchfolie werden üblicherweise Hülsen mit Durchmessern von 50 mm eingesetzt. Deren Gewicht variiert je nach Wandstärke zwischen 200 g und über 700 g. Bei Maschinenstretchfolie mit 76 mm Kernen wiegen Standardhülsen meist zwischen 1,0 kg und 1,8 kg, teilweise werden jedoch noch schwerere Kerne verwendet.

Wird ein Angebot auf Basis des Bruttogewichts (Folie inklusive Hülse) abgegeben, zahlt der Kunde für den Kartonkern denselben Kilopreis wie für den technischen Kunststoff. Da Pappe im Einkauf deutlich günstiger ist als Polyethylen, nutzen manche Hersteller schwere Kerne, um das Gesamtgewicht der Rolle künstlich zu erhöhen und gleichzeitig an der eigentlichen Folie zu sparen. Entscheidend für die Palettensicherung ist jedoch ausschliesslich das Nettogewicht der Folie.

  • Bruttogewicht = Foliengewicht (netto) + Hülsengewicht.
  • Nettogewicht = Reines Arbeitsmaterial, das für die Dehnung und Stabilität zur Verfügung steht.
  • Eine Differenz von 300 g beim Hülsengewicht verändert den effektiven Kilopreis bei Handstretchfolie um bis zu 15 %.

Mathematische Formeln: So berechnen Sie den Preis pro kg

Um Angebote verlässlich zu auditieren, benötigt der Einkauf drei grundlegende Formeln. Zunächst wird das theoretische Foliengewicht anhand der geometrischen Abmessungen berechnet. Als Standarddichte für LLDPE-Stretchfolie gilt der Wert von 0,92 g/cm³ (bzw. 0,00092 kg pro Quadratmeter und Mikrometer Foliendicke).

Liegen die Abmessungen der Rolle vor, lässt sich das Netto-Foliengewicht wie folgt bestimmen: Breite in Metern × Länge in Metern × Dicke in Mikrometer (my) × 0,00092 = Nettogewicht in kg. Anschliessend wird der Rollenpreis durch das ermittelte Nettogewicht geteilt, um den reinen Folienpreis pro kg zu erhalten.

  • Formel Foliengewicht: Gewicht (kg) = Breite (m) × Länge (m) × Dicke (my) × 0,00092
  • Formel Nettopreis: Preis pro kg (CHF/kg) = Rollenpreis (CHF) / Netto-Foliengewicht (kg)
  • Formel Kernabzug: Netto-Foliengewicht (kg) = Brutto-Rollengewicht (kg) - Hülsengewicht (kg)

Praxisbeispiel: Zwei Handstretchfolien im direkten Vergleich

Die Notwendigkeit der Umrechnung verdeutlicht ein konkretes Rechenbeispiel aus dem Beschaffungsalltag. Ein Unternehmen vergleicht zwei Angebote für Standard-Handstretchfolie (Breite: 500 mm, Dicke: 20 my, Bruttogewicht pro Rolle: 2,50 kg).

Beispielrechnung:

Angebot A: Rollenpreis = CHF 7.90. Die Rolle hat ein Bruttogewicht von 2,50 kg und nutzt einen schweren Kern von 0,70 kg. Das Nettogewicht der Folie beträgt 1,80 kg (Lauflänge rechnerisch ca. 195 m). Preis pro kg netto = CHF 7.90 / 1,80 kg = CHF 4.39 pro kg Folie.

Angebot B: Rollenpreis = CHF 8.60. Die Rolle hat ebenfalls ein Bruttogewicht von 2,50 kg, nutzt jedoch einen optimierten Leichtkern von 0,30 kg. Das Nettogewicht der Folie beträgt 2,20 kg (Lauflänge rechnerisch ca. 239 m). Preis pro kg netto = CHF 8.60 / 2,20 kg = CHF 3.91 pro kg Folie.

Ergebnis: Obwohl Angebot A pro Rolle um CHF 0.70 günstiger erscheint, ist das Material bei Angebot B pro Kilogramm um CHF 0.48 (ca. 11 %) preiswerter. Bei einer Jahresabnahme von 2400 Rollen liefert Angebot B bei gleichen Rollen-Gesamtgewichten 960 kg mehr reine Folie, was rund 105'600 zusätzlichen Laufmetern Sicherungsmaterial entspricht.

Checkliste für den Einkauf: Angebote korrekt ausschreiben

Um Angebote ohne zeitraubende Rückfragen vergleichen zu können, sollten Beschaffungsverantwortliche klare Vorgaben in ihren Ausschreibungen verankern. Verbindliche Spezifikationen verhindern, dass Lieferanten Spielräume bei Toleranzen oder Kerngewichten zu ihren Gunsten auslegen.

Für eine vollständige Transparenz empfiehlt sich die Anforderung von Datenblättern, die neben den mechanischen Eigenschaften (Reissdehnung, Durchstossfestigkeit) auch die garantierten Gewichtswerte pro Verpackungseinheit aufführen. BARG Packaging liefert sämtliche Stretchfolien mit transparenten Spezifikationen, verzollt und frei Haus innerhalb der Schweiz mit Preisen in CHF.

  • Nettogewicht der Folie pro Rolle explizit getrennt vom Hülsengewicht anfordern.
  • Dicken- und Längentoleranzen nach ISO- oder ASTM-Standards vertraglich fixieren (empfohlen: maximal ± 5 %).
  • Preise immer zusätzlich auf Basis CHF/kg netto ausweisen lassen.
  • Musterrollen im Wareneingang stichprobenartig wiegen (Bruttogewicht minus abgewickelte Hülse).
  • Vordehnung (Pre-Stretch) bei Maschinenfolien mitberücksichtigen: Hochleistungsfolien mit 250–300 % Dehnung reduzieren den kg-Verbrauch pro Palette deutlich.

Häufige Fragen

Warum unterscheidet sich das berechnete theoretische Gewicht manchmal vom Waagenergebnis?
Abweichungen entstehen durch Fertigungstoleranzen bei der Blas- oder Cast-Folienextrusion (üblicherweise ± 5 bis 8 % bei Standardfolien) sowie durch minimale Schwankungen der Rohstoffdichte bei Additiven wie Klebrigmachern oder Farb-Masterbatches. Bei seriösen Herstellern bewegt sich die Abweichung jedoch im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Ist eine dünnere Folie (z. B. 12 my statt 20 my) bei gleichem Kilopreis immer wirtschaftlicher?
Ja, sofern die Haltekraft ausreicht. Bei dünneren Hochleistungsfolien (Pre-Stretch- oder Cast-Folien) erhalten Sie bei gleichem Gewicht deutlich mehr Laufmeter, wodurch die Materialkosten pro gewickelter Palette sinken. Voraussetzung ist, dass Reissfestigkeit und Durchstosskraft für das jeweilige Packgut zertifiziert sind.
Wie wird das Kerngewicht bei Maschinenstretchfolie in der Abrechnung gehandhabt?
Maschinenstretchfolie wird im industriellen Umfeld fast durchgehend nach tatsächlichem Nettogewicht gewogen und in CHF/kg fakturiert. Der 76-mm-Kern wird vor der Rechnungsstellung automatisch abgezogen. Achten Sie bei Angeboten darauf, ob die Staffelpreise 'brutto für netto' oder auf reinem Nettogewicht basieren.
Welche Rolle spielt der Rohstoffindex beim Preis pro kg?
Stretchfolienpreise korrelieren eng mit den europäischen Notierungen für Polyethylen (z. B. ICIS LLDPE). Verträge für Grossverbraucher basieren häufig auf Gleitklauseln, die den Preis pro Kilogramm an diese Rohstoffindizes koppeln, zuzüglich einer festen Verarbeitungs- und Liefermarge.

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