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Vordehnung und Dehnbarkeit von Stretchfolie: so funktioniert es
Dehnbarkeit ist der wichtigste Kostenhebel bei der Palettenwicklung – und gleichzeitig der am häufigsten falsch eingestellte. Wer Vordehnung und Anlegespannung versteht, sichert Paletten sicherer und braucht dabei deutlich weniger Folie.
1. Dehnbarkeit, Vordehnung, Anlegespannung – drei verschiedene Dinge
Im Alltag werden die Begriffe vermischt, technisch sind sie klar getrennt:
- Dehnbarkeit (Reissdehnung): wie weit sich die Folie überhaupt strecken lässt, bevor sie reisst – eine Materialeigenschaft.
- Vordehnung: die tatsächlich in der Maschine erzeugte Dehnung zwischen zwei Reckwalzen, bevor die Folie die Ladung berührt.
- Dehnung an der Palette: zusätzliche Streckung durch den Umfang der Ladung und die eingestellte Bremskraft.
- Anlegespannung: die Kraft, mit der die vorgedehnte Folie an die Ladung gelegt wird – sie bestimmt die Haltekraft am stärksten.
Merksatz: Dehnbarkeit ist Potenzial, Vordehnung ist genutztes Potenzial, Anlegespannung ist das Ergebnis auf der Palette.
2. Die Formel – und der Praxistest
Vordehnung in Prozent = (Länge nach dem Dehnen − Ausgangslänge) ÷ Ausgangslänge × 100.
- 1 m Folie wird zu 2 m → 100 % Vordehnung.
- 1 m Folie wird zu 3 m → 200 % Vordehnung.
- 1 m Folie wird zu 4 m → 300 % Vordehnung.
Praxistest ohne Messtechnik: mit wasserfestem Stift zwei Markierungen im Abstand von 10 cm quer auf die Folie setzen, eine Palette wickeln und den Abstand auf der Palette nachmessen. 25 cm bedeuten 150 %, 30 cm bedeuten 200 %, 40 cm bedeuten 300 %. Diesen Test an mehreren Stellen der Palettenhöhe wiederholen – Ober- und Unterlage laufen oft unterschiedlich.
3. Was Ihre Maschine realistisch kann
| Maschinen- / Anwendungstyp | Nutzbare Vordehnung |
|---|---|
| Handrolle (manuell)Bremse über Handabroller, stark bedienerabhängig | 30–100 % |
| Maschine mit FolienbremseSpannung nur über Bremskraft, keine echte Vordehnung | 50–150 % |
| Vordehnung mit fester ÜbersetzungEin Antrieb, Dehnung durch Walzenverhältnis fixiert | 150–250 % |
| Zwei geregelte ReckwalzenVordehnung frei einstellbar, reproduzierbar | 200–300 % |
| Hochleistungsfolie + moderner WicklerNur mit passender Folienrezeptur nutzbar | 300–400 % |
Wichtig: eine als «300 %» verkaufte Folie liefert auf einer Anlage mit reiner Folienbremse keine 300 %. Die Folie muss zum Wickler passen, nicht umgekehrt.
4. Warum mehr Dehnung nicht automatisch mehr Sicherheit bedeutet
Im nutzbaren Bereich arbeitet die Folie elastisch: sie will sich zusammenziehen, und genau diese Rückstellkraft hält die Ladung. Wird zu weit oder zu schnell gedehnt, steigt der Reckstress, die Folie wird dünner als geplant, verliert Rückstellvermögen und reisst an Palettenkanten früher. Das Optimum liegt kurz unterhalb dieses Punktes – nicht am Maximum.
Deshalb gilt: Vordehnung schrittweise erhöhen (z. B. in 25-%-Schritten), nach jedem Schritt Haltekraft und Kantenbild prüfen und beim letzten stabilen Wert bleiben.
5. Rechenbeispiel: was Vordehnung pro Palette spart
Angenommen, eine Palette braucht bei 150 % Vordehnung 250 g Folie. Bei gleicher Wickelzahl und erhaltener Haltekraft ergibt sich:
- 150 % → 250 g pro Palette (Referenz).
- 200 % → rund 208 g pro Palette, etwa 17 % weniger Material.
- 250 % → rund 179 g pro Palette, etwa 29 % weniger Material.
- 300 % → rund 156 g pro Palette, etwa 38 % weniger Material.
Bei 40 Paletten pro Tag sind das im Sprung von 150 % auf 250 % rund 2,8 kg Folie täglich – bei gleicher Ladungssicherung. Wie sich das in Franken pro Palette übersetzt, zeigen wir in der Preisübersicht mit Kosten pro Palette.
6. Typische Fehler beim Einstellen
- Vordehnung hoch, Anlegespannung unverändert niedrig – die Palette ist eng gewickelt, aber nicht gehalten.
- Dünnere Folie bestellt, ohne die Vordehnung zu prüfen – Risse an Kanten statt Einsparung.
- Reckwalzen verschmutzt oder verschlissen – die eingestellte Dehnung wird nicht erreicht.
- Kein Kantenmanagement: ohne Tänzerwalze / Sensor fehlt an Palettenkanten Folie, dort reisst sie zuerst.
- Messung nur auf mittlerer Höhe – Kopf- und Fusslage der Ladung bleiben ungeprüft.
Häufige Fragen
- Was bedeutet Vordehnung bei Stretchfolie?
- Vordehnung ist die Dehnung, die in der Vordehneinheit der Wickelmaschine zwischen zwei Reckwalzen erzeugt wird – bevor die Folie die Palette berührt. Bei 200 % Vordehnung werden aus 1 Meter Folie 3 Meter Wickellänge, bei 300 % sind es 4 Meter.
- Wie berechne ich die Vordehnung?
- Vordehnung in Prozent = (Länge nach dem Dehnen − Ausgangslänge) / Ausgangslänge × 100. Praxistest: zwei Markierungen im Abstand von 10 cm auf die Folie setzen, wickeln, danach auf der Palette messen. 30 cm Abstand bedeuten 200 % Dehnung.
- Wie viel Vordehnung ist sinnvoll?
- Handrollen erreichen praktisch 30–100 %, Maschinen ohne geregelte Vordehneinheit 50–150 %, Maschinen mit zwei geregelten Reckwalzen 150–300 % und hochleistungsfähige Folien auf modernen Anlagen bis 400 %. Entscheidend ist, was die Anlage stabil und ohne Reisser fährt.
- Warum ist Dehnbarkeit nicht gleich Haltekraft?
- Dehnbarkeit sagt nur, wie weit die Folie gestreckt werden kann. Die Ladung wird durch die Rückstellkraft der elastisch gedehnten Folie und die Anlegespannung gehalten. Über den optimalen Punkt hinaus gedehnte Folie verliert Rückstellvermögen – mehr Dehnung ergibt dann weniger Haltekraft.
- Spare ich mit höherer Vordehnung wirklich Geld?
- Ja, sofern die Haltekraft erhalten bleibt. Von 150 % auf 250 % Vordehnung sinkt der Folienbedarf pro Palette um rund 30 %. Voraussetzung ist eine Folie, die diese Dehnung ohne Einriss und mit ausreichender Restkraft mitmacht.
Folie und Maschine aufeinander abstimmen
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